Ich starre auf Sophies Nachricht, lese sie zum dritten Mal, zum vierten. Gespritzt. Das Wort brennt sich in meinen Kopf, während mein Finger noch unter dem transparenten Tanga liegt, die Feuchtigkeit dort spürt, die sich breitmacht. Sophie hat gespritzt. Mark hat sie genommen, und sie hat gespritzt. Ich will das auch. Ich will diese Hemmungslosigkeit, dieses Überwältigtwerden, diese vollkommene Kontrollosigkeit.
In dieser Nacht liege ich wach, das Handy auf der Brust, Lukas' letztes Lächeln-Emoji auf dem Bildschirm. Er ist heim gegangen, in seiner eigenen Wohnung, weit weg von mir. Wie gerne hätte ich ihn jede Nacht hier, seine Hände auf mir, seinen Mund, seinen Schwanz tief in mir. Aber das geht nicht. Meine Eltern erlauben es nicht unter der Woche... wenn die wüssten, was er in ihrem Haus treibt, mit mir, ihrem unschuldigen Töchterchen.
Ich greife nach dem Laptop auf dem Nachttisch, klappe ihn auf. Das bläuliche Licht erhellt mein Gesicht im Dunkeln. Meine Finger tippen die Worte ein, die ich nie bei Tag suchen würde: Squirten-Anleitung. Die Ergebnisse flimmern über den Bildschirm, und ich klicke auf das erste Video. Eine Frau liegt auf dem Rücken, ihre Schenkel gespreizt, und erklärt mit ruhiger Stimme, wie man die richtige Stelle findet, wie man den Druck aufbaut. Ich schaue gebannt zu, wie ihre Finger in sie eindringen, wie sie stöhnt, und dann – ein Schwall von Flüssigkeit schießt aus ihr heraus, tropft auf die Laken. Mein Atem geht schneller. Das will ich.
Nacht für Nacht wiederhole ich das Ritual. Wenn Lukas schläft, schaue ich Pornografien, studiere Anleitungen, beobachte Frauen, die spritzen wie Fontänen. Jedes Mal greife ich nach meinem Vibrator, der kleine rosa Stab, der mich sonst so zuverlässig zum Kommen bringt. Ich drücke ihn gegen meine Klitoris, lasse ihn kreisen, schiebe ihn in meine nasse Fotze, suche nach dem Punkt, von dem alle sprechen. Der Druck baut sich auf, mein Körper zuckt, ich komme – aber es passiert nichts. Kein Spritzen. Nur ein normaler Orgasmus, der mich zurücklässt mit dieser unbefriedigenden Sehnsucht nach mehr.
Ich vertiefe mich in Artikel, lese Forenbeiträge, studiere die Erfahrungen anderer Frauen. Ein Beitrag bleibt hängen: Um zu spritzen, musst du ganz tief sein. Die Stelle liegt weiter hinten, an der vorderen Wand. Ein Vibrator reicht oft nicht – du brauchst etwas Längeres, etwas das tiefer kommt. Eine Frau schreibt, sie hat es erst mit einem Dildo geschafft. Ich starre auf die Worte. Ein Dildo. Natürlich. Mein Vibrator ist kurz, erreicht nicht die Stelle, die ich stimulieren muss.
Mein Herz rast, als ich den Online-Shop öffne. Vor ein paar Wochen hätte ich das nie getan – einen Dildo kaufen, so offen, so bewusst. Aber jetzt? Jetzt zähle ich die Tage, bis das Paket ankommt. Jede Minute fühlt sich wie eine Ewigkeit. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlen wird, endlich diese Grenze zu überschreiten, endlich zu spritzen wie Sophie.
Endlich, nach endlosen Tagen des Wartens, klingelt es an der Haustür. Ich springe vom Bett, laufe die Treppe hinunter, zwei Stufen auf einmal. Meine Mutter steht schon an der Tür, das Paket in der Hand, und mustert den braunen Karton mit einem Blick, der mir heiß den Rücken hinunterläuft.
„Ist für dich", sagt sie, und ich reiße ihr das Paket fast aus den Händen, so schnell, dass sie einen Schritt zurücktaumelt.
„Sag mal, wie besonders kann es denn sein?", fragt sie, die Augenbraue hochgezogen, aber ich bin schon die Treppe hoch, das Paket an die Brust gepresst, mein Herz hämmert bis in den Hals. Als ich mich oben umblicke, sehe ich nur noch ihr Grinsen. Ein Wissen in ihren Augen, das ich nicht ertragen kann.
Am Abend sitze ich mit meinen Eltern auf dem Sofa, der Fernseher läuft, mein Vater hält die Schüssel mit Popcorn. Der Familienfilmabend. Normalerweise unverrückbar.
„Ich fühle mich nicht so gut", sage ich, die Hand auf den Bauch gelegt. „Ich glaube, ich lege mich hin."
Meine Mutter mustert mich, ihr Grinsen von vorhin noch in den Mundwinkeln, aber sie sagt nichts. Ich verschwinde in meinem Zimmer, schließe die Tür ab, und atme tief durch.
Der Karton liegt auf meinem Bett. Ich reiße ihn auf, hole den Dildo heraus. Hautfarben, glatt, mit einem Saugnapf am Ende. Er fühlt sich realistisch an, biegsam, und als ich ihn in die Hand nehme, spüre ich, wie sich mein Unterleib zusammenzieht. Endlich.
Ich ziehe mich aus, lege mich auf das Bett, spreize die Beine. Der Laptop steht vor mir, ein Porno läuft, eine Frau wird von hinten genommen, stöhnt laut. Ich befeuchte den Dildo mit Speichel, führe ihn an meinen Eingang, lasse ihn langsam in mich gleiten. Er ist dicker als mein Vibrator, füllt mich besser aus, und als er tiefer dringt, spüre ich es – diese Stelle, von der alle sprechen. Die vordere Wand, rau und empfindlich, tief in mir.
Ich beginne, den Dildo zu bewegen, stoße ihn rhythmisch in mich, immer wieder gegen diesen Punkt. Das Gefühl ist anders als alles, was ich kenne – ein Druck, der sich aufbaut, intensiver wird, mein ganzer Körper spannt sich an. Ich stoße härter, schneller, meine freie Hand greift die Bettdecke, krallt sich fest. Die Frau im Video stöhnt, aber ich höre sie kaum, so sehr bin ich gefangen in meinem eigenen Rausch.
Der Druck wird unerträglich, etwas in mir will freigelassen werden, und ich lasse es geschehen – und dann, aus dem Nichts, explodiert es. Ein Schwall von Flüssigkeit schießt aus mir heraus, warm und heftig, trifft den Laptop, der vor meinen gespreizten Beinen steht. Das Display wird nass, Tropfen laufen über die Tastatur, und ich schreie auf, aber nicht vor Schreck – vor Ekstase. Mein Körper zuckt, wellt sich, und noch ein Schwall folgt, bis ich erschöpft zurücksinke, die Beine zitternd, der Atem rau.
Der Laptop ist durchnässt. Ich wische über den Bildschirm, sehe die Flüssigkeit, die von mir kam, von mir, aus mir herausgespritzt. Ich liege da, kaputt und glücklich, ein Lächeln auf den Lippen, das ich nicht unterdrücken kann. Endlich. Endlich habe ich es geschafft.
Mein Handy liegt neben mir. Ich greife danach, tippe mit zitternden Fingern an Lukas.
Ich habe gerade etwas erlebt. Ich will es dir zeigen, sobald du kannst. Du wirst dich freuen. 😈